Die Ausrichtung und Neigung der Solarmodule gehören zu den wichtigsten Planungsparametern für eine Solaranlage. Sie bestimmen, wie viel Sonnenlicht die Module über das Jahr einfangen und beeinflussen den Ertrag um bis zu 30%.
Die optimale Ausrichtung
Für die Schweiz ist eine Südausrichtung (Azimut 180°) optimal. Module, die genau nach Süden zeigen, fangen über das Jahr die meiste Sonnenstrahlung ein. In der Praxis weichen die meisten Dächer von der idealen Südausrichtung ab – und das ist weniger problematisch als viele denken.
Ertragseinbussen bei Abweichung von Süd
- Südost / Südwest (±45°): Nur ca. 5% weniger Ertrag
- Ost / West (±90°): Ca. 15–20% weniger Ertrag
- Nordost / Nordwest: Ca. 30–40% weniger – selten empfehlenswert
- Nord: 40–55% weniger – wirtschaftlich meist nicht sinnvoll
Der optimale Neigungswinkel
In der Schweiz liegt der optimale Neigungswinkel für maximalen Jahresertrag bei 30–35°. Dieser Winkel bietet den besten Kompromiss zwischen Sommer- und Winterertrag. Die meisten Schweizer Steildächer haben eine Neigung von 20–45° – alle diese Winkel liefern sehr gute Erträge.
Einfluss der Neigung
- 0° (flach): Ca. 8–12% weniger, aber gleichmässiger über den Tag verteilt
- 15°: Ca. 3–5% weniger als optimal
- 30–35°: Optimal für maximalen Jahresertrag
- 45°: Ca. 3–5% weniger, aber besserer Winterertrag
- 60°: Ca. 10–15% weniger, aber deutlich besserer Winterertrag
- 90° (Fassade): Ca. 30% weniger Jahresertrag, aber bester Winterertrag pro kWp
Ost-West-Anlagen: Auf Flachdächern werden Module häufig in Ost-West-Ausrichtung aufgeständert. Der Gesamtertrag ist ca. 10–15% geringer als bei Südausrichtung, dafür verteilt sich die Produktion gleichmässiger über den Tag, was den Eigenverbrauch begünstigt. Ausserdem ist eine höhere Belegungsdichte möglich.
Flachdach-Aufständerung
Auf Flachdächern werden Module typischerweise mit 10–15° aufgeständert. Steilere Aufständerung bringt mehr Ertrag pro Modul, erfordert aber grössere Abstände zwischen den Reihen und reduziert die nutzbare Fläche. Der optimale Kompromiss maximiert den Gesamtertrag pro Quadratmeter Dachfläche.
Fassadenanlagen
Vertikale Fassadenanlagen gewinnen in der Schweiz an Bedeutung. Sie produzieren besonders im Winter und in den Übergangsmonaten mehr Strom als gering geneigte Module und sind architektonisch attraktiv. Die Energiestrategie 2050 fördert auch Fassadenanlagen, und die Einmalvergütung des Bundes gilt ebenso für integrierte Fassadensysteme.
Simulation vor dem Bau
Vor der Installation empfiehlt sich eine professionelle Ertragssimulation mit Tools wie PVGIS, PV*SOL oder Polysun. Das Schweizer Solarkataster sonnendach.ch bietet für jedes Gebäude eine erste Einschätzung des Solarpotenzials – kostenlos und ohne Anmeldung.
Fazit
Die perfekte Südausrichtung mit 30° Neigung ist kein Muss. Abweichungen bis 45° und Neigungen von 15–50° liefern immer noch sehr gute Erträge. Lassen Sie sich nicht von einer suboptimalen Dachausrichtung abschrecken – eine Solaranlage lohnt sich in den allermeisten Fällen trotzdem.
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