Vor der Installation einer Solaranlage erstellen Planer eine Ertragsprognose. Doch wie genau stimmen diese Vorhersagen mit der Realität überein? Wir analysieren Abweichungen und zeigen, worauf Sie achten sollten.
Grundlagen der Ertragsprognose
Professionelle Ertragsprognosen basieren auf langjährigen Strahlungsdaten (Durchschnitt der letzten 20–30 Jahre), den spezifischen Modulkennwerten, Ausrichtung und Neigung der Anlage, einer Verschattungsanalyse sowie der Wechselrichter-Effizienz und Kabelverlusten.
Gängige Simulationstools
- PVGIS: Kostenloses EU-Tool mit Schweizer Strahlungsdaten, zuverlässig und weit verbreitet
- PV*SOL: Professionelle 3D-Simulation mit detaillierter Verschattungsanalyse
- Polysun: Schweizer Software, besonders gut für Wärme-Strom-Kombinationen
- Sonnendach.ch: Schweizer Solarkataster mit einer Ertragsschätzung für jedes Gebäude
Genauigkeit in der Praxis
Gut erstellte Prognosen erreichen typischerweise eine Genauigkeit von ±5–10% im Jahresmittel. Einzelne Jahre können aufgrund von Wettervariationen stärker abweichen. Über 5–10 Jahre gemittelt sollte die tatsächliche Produktion der Prognose nahe kommen.
Warum der Ertrag niedriger sein kann
- Nicht berücksichtigte Verschattung (häufigster Planungsfehler)
- Stärkere Modulverschmutzung als erwartet
- Höhere Systemverluste als angenommen
- Technische Defekte an Modulen oder Wechselrichtern
- Unterdurchschnittliches Wetterjahr
Warum der Ertrag höher sein kann
- Überdurchschnittlich gutes Wetterjahr
- Konservativ gerechnete Prognose
- Positive Leistungstoleranz der Module
- Reflexion durch helle Umgebungsflächen oder Schnee
Tipp: Vergleichen Sie niemals ein einzelnes Jahr mit der Prognose. Nutzen Sie mindestens 3–5 Jahre Daten für einen aussagekräftigen Vergleich. Berücksichtigen Sie dabei die jährliche Degradation von ca. 0,4%.
Wann Sie handeln sollten
Wenn der tatsächliche Ertrag dauerhaft (über mehrere Jahre) mehr als 10–15% unter der Prognose liegt, sollten Sie die Anlage professionell überprüfen lassen. Mögliche Ursachen sind technische Defekte, nachträgliche Verschattung oder Planungsfehler bei der Simulation.
Fazit
Professionelle Ertragsprognosen sind in der Regel zuverlässig und eine solide Grundlage für Investitionsentscheidungen. Nutzen Sie die Prognose als Referenz und überwachen Sie den Ertrag Ihrer Anlage regelmässig über das Monitoring-System.
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